Windows 10 statt 9: Microsoft sorgt für Überraschung

Die Zukunft von Windows

Windows 10 statt 9: Microsoft sorgt für Überraschung

von Sandro Villinger, Timo Schurwanz, Sebastian Kolar und unserem Autor , 01.10.2014, 08:00 Uhr

Nach langem Warten hat Microsoft einen ersten Ausblick auf Windows 10 geliefert. Was auf Sie zukommt, fasst COMPUTER BILD zusammen.

Windows 10 © Microsoft, adimas - Fotolia.com

Microsoft hat Windows 10 vorgestellt: Hier finden Sie alles Wichtige im Überblick!

Mit einem Paukenschlag hat Microsoft am 30. September 2014 in San Francisco die Vorstellung der nächsten Windows-Generation eingeleitet. Statt auf Windows 9 setzt Microsoft auf Windows 10 als Name für die künftige Generation des Betriebssystems. Damit will Microsoft deutlich machen: Das neue Windows hat mit Windows 8 nicht mehr viel gemein. Der Schritt von Windows 8 zu Windows 10 ist so groß, dass Windows 9 dem inhaltlich nicht gerecht geworden wäre, so Windows-Chef Terry Myerson.

Windows 10: Versöhnung mit den Nutzern

Wer jetzt ein ganz anderes Windows erwartet, muss einen Gang zurückschalten. Microsofts bislang letzter Versuch, gewohnte Routinen zu verändern, endete schließlich im Windows-8-Desaster. Entsprechend soll Windows 10 die vergrätzten Windows-8-Nutzer versöhnen und gleichzeitig genügend Anreize für Windows-7-Nutzer bieten, ohne dass die sich groß umgewöhnen müssen. Kurz: Microsoft will das Beste aus beiden Vorgängern vereinen und sogar eine Schippe drauflegen.

Ein Windows 10 für alle Geräte

Statt wie bislang für verschiedene Geräte auf unterschiedliche Versionen des Betriebssystems zu setzen, soll Windows 10 mit dem Kuddelmuddel der Vorgänger (Windows 8, Windows RT, Windows Phone 8) Schluss machen. Das neue Windows soll auf Mini-PCs (etwa Raspberry-Pis), Smartphones, Tablets und Desktop-Computern bis hin zu Hochleistungsservern und sogar der Spielekonsole Xbox laufen. Die bislang spezialisierten Betriebssysteme verschmelzen also miteinander. Primäres Ziel sei es jetzt, ein Betriebssystem zu schaffen, das tatsächlich einheitlich für alle Plattformen verfügbar ist. Im Zuge dessen soll auch der Windows Store, Microsofts Äquivalent zu Google Play Store und Apple App Store, auf allen Plattformen laufen. Damit lassen sich Programme für alle Geräte aus einer Quelle beziehen. So laden Sie Apps etwa auf der Xbox One herunter, die Ihnen dann gleichzeitig auf dem PC oder Smartphone zur Verfügung stehen. Die plattformübergreifenden Apps (Universal Apps) will Microsoft allerdings erst Anfang 2015 liefern.

Windows 10: Weg von Windows 8

Der Name Windows 10 soll zudem noch mehr Distanz zum Windows-8-Debakel schaffen. Selbst Joe Belfiore, Corporate Vice President der Betriebssystem-Gruppe bei Microsoft, gesteht: „Der Fokus auf die Bedienung per Touchscreen in Windows 8 war nicht ganz richtig. Jetzt geht es in eine neue Richtung!“ Die Touch-Bedienung will Microsoft mit Windows 10 allerdings nicht gänzlich an den Nagel hängen. So soll eine neue Funktion namens „Continuum“ erkennen, wann Maus und Tastatur angeschlossen sind und wann der Nutzer mit einem Touchscreen arbeitet. Entsprechend reagiert Windows 10 und zeigt die Kacheloberfläche und bedienfreundlichere Elemente oder eben die klassische Desktop-Oberfläche an.

Windows 10 bringt Startmenü zurück

Im Anschluss zeigte Microsoft das bereits Anfang des Jahres vorgestellte Startmenü. Man versucht hier den Spagat zwischen Windows 7 und 8, indem das neue Programmcenter klassische Programmübersicht und Kachelfunktionen vereint. Allerdings sind die Kacheln hier weniger aufdringlich, als es noch im Vorgänger der Fall war – dafür sorgen die umfassenden Anpassungsmöglichkeiten des neuen Startmenüs. So lassen sich Apps wie Mail, Kalender und Skype einfach in den rechten Bereich des Startmenüs anheften, während die linke Spalte der klassischen Programm-Übersicht vorbehalten bleibt. Auf Wunsch lassen sich die Kacheln ausblenden.

Windows 10 lässt Apps im Fenstermodus starten

Gleichzeitig lassen sich, wie erwartet und bereits von COMPUTER BILD berichtet, Apps im Fenster anzeigen und bedienen. So können Nutzer etwa bequem auf der linken Bildschirmhälfte mit der Mail-App hantieren und rechts eine PowerPoint-Präsentation bearbeiten. Die bisherige Trennung zwischen Desktop-Software und Apps brachte viele Nutzer regelmäßig zur Weißglut.

Auch unter Windows 10: Charms Bar bleibt

Spekulationen, wonach Microsoft die mit Windows 8 eingeführte Charms Bar aus dem Betriebssystem schmeißt, bewahrheiteten sich nicht. Die Seitenleiste bietet auch weiterhin schnellen Zugriff auf einige Dienste wie die Suche oder das Einstellungsmenü. Ob Microsoft bei der Bedienung nachgebessert hat, ist bislang nicht bekannt.

Windows 10: Optimiertes Multitasking

Auch der Wechsel zwischen Apps und diversen Programmen soll besser klappen: Microsoft spendiert dem neuen Betriebssystem die „Task View“ (Programm-Ansicht). Auf Knopfdruck erscheinen alle gerade offenen Programme verkleinert angeordnet auf dem Desktop. Auch ein Arbeiten über bis zu vier Desktops ist möglich, wie man es von OS X oder Linux kennt. Auch unter Windows lassen sich Programme problemlos via Maus oder Touch-Bedienung zwischen den Arbeitsflächen hin und her schieben. Diese Funktion soll besonders Anfängern den Umgang mit mehreren parallel geöffneten Programmen erleichtern.

Das fehlt Windows 10

Dass Microsoft noch nicht alle Neuerungen integriert hat, beweist das Fehlen des Internet Explorers 12 und der digitalen Sprachassistentin Cortana – sie sollen integraler Bestandteil von Windows 10 sein. Vermutlich liefert Microsoft die Programme im Rahmen von Updates nach. Nicht explizit gezeigt, aber zu sehen war das neue Benachrichtigungscenter von Windows 10. Hier haben Sie neue E-Mails, Nachrichten oder sonstige Hinweise sofort im Blick.

» Unterhaltsame Dialoge mit Microsofts Cortana

Windows 10: Wie geht es weiter?

Die Vorabversion (Technical Preview) von Windows 10 steht zum Download bereit. Als Zielgruppe hat Microsoft hier Unternehmenskunden im Blick. Aber auch (erfahrene) Privatnutzer sollen Windows 10 auf Wunsch testen können. Bis zur finalen Veröffentlichung lässt Microsoft sich Zeit: Erst Mitte 2015 will der Konzern Windows 10 in die Läden bringen. Interessierte freuen sich auf Microsofts Entwicklerkonferenz im April 2015: Dann will der Konzern weitere Details zu den Funktionen für Privatkunden verraten. Hinweise auf eventuell kostenlose Upgrade-Möglichkeiten für Windows-8-Nutzer oder Preise im Allgemeinen hat Microsoft noch nicht verraten.

» Download: Windows 10 Technical Preview herunterladen

Windows 10: Erste Einschätzung

So viel war es nicht, was Microsoft im Rahmen des ersten Presse-Events in San Francisco zeigte. Sicher, die plattformübergreifende Veröffentlichung von Windows 10 ist ein großer Schritt für das Unternehmen. Bis die Vorteile aber bei den Nutzern ankommen, dauert es noch eine ganze Weile. Die Veranstaltung bot wenig Einblick in die Neuerungen von Windows 10 – deutlich wurde vor allem eins: Mit Windows 10 will Microsoft den Pleitegeier Windows 8 abschießen. Ob Windows 10 am Ende genug Futter bietet, lässt sich noch nicht einschätzen, zu viele Details fehlen. Der allererste Eindruck macht aber definitiv Lust auf mehr.